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Fridolin und Ferdinand Drucken E-Mail

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Sandstrand. Sonne. Ein Ei. Es bricht. Eine kleine Schildkröte schlüpft. Etwas unbeholfen krabbelt sie über den Strand in Richtung Wasser. Der Panzer ist noch weich, fast zu weich. Fridolin schafft das Rennen gegen die Greifvögel.

Diese kreisen über dem Strand und versuchen die frisch geschlüpfte Schildkröte zu fressen. Er erreicht das kühle Nass und ist in Sicherheit. Jahre ziehen ins Land, und sein Panzer wird hart und fest. Fridolin entwickelt sich prächtig. Wie genießt er das Leben – im Wasser schwerelos dahin zu gleiten. Was soll ihm schon passieren? Er hat ja einen dicken Panzer. Immer wenn Gefahr droht zieht sich Fridolin in seinen Panzer zurück. Friedolin hat zwar ein Rückgrat, nur braucht er es nie. Wozu auch? Er hat ja seinen Panzer. Der hält viel aus. Wenn es brenzlig wird, dann zieht er seine Beine und seinen Kopf ein, und „schwups“! ist er in Sicherheit.

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Schildkröten haben einen dicken Panzer, und bei Gefahr ziehen sie sofort ihren Kopf ein. Würde man den Panzer wegnehmen, käme zum Vorschein, wie weich und verletzlich sie sind. Die Stärke von Schildkröten ist nicht ihr Rückgrat, sondern ihr Schutzpanzer. Anfangs ist der Panzer dünn und weich, aber mit der Zeit wird er größer, dicker, härter.

 

Kinder von Christen gleichen oft einer Schildkröte.

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©Antonio J/Stock.xchng
Entweder sie entwickeln ein Rückgrat, indem sie die übernommenen Grundsätze ihrer Eltern zu ihren eigenen Überzeugungen machen und so zu einem eigenen Glauben kommen. Oder sie bilden stattdessen, wie Schildkröten, einen Panzer aus, hinter dem sie sich bei vermeintlicher Gefahr zurückziehen. Dieser Panzer heißt Doppelleben:

Fridolin ist gern im Wasser. Das ist sein Element. Aber immer öfter macht er auch Ausflüge ans Land. Seine Mama ist dagegen. Sie meint, das sei gefährlich. Die Beine gegen das Wasser zu treten und frei zu schweben, das ist zwar schön, aber mittlerweile langweilig geworden. Wirklich toll ist es, mit den Beinen zu gehen. Etwas Neues! Das macht noch mehr Spaß. Besonders mit Freunden. Und die Greifvögel von damals? „Ha, dass ich nicht lache!“ meint Fridolin, „was sollen die mir noch anhaben können? Ich habe ja einen dicken Schildkrötenpanzer!“ Und wenn Gefahr droht? Ja, dann zieht er den Kopf und die Beine ein.

Eines Tages sind Fridolin und seine Freunde wieder auf einem ihrer Streifzüge durch die Insel. Foto Turtles

Plötzlich bemerken sie das Buschfeuer! Die Feuerwalze bewegt sich auf sie zu. Und wie immer in gefährlichen Situationen zieht Fridolin Kopf und Beine unter seinen Panzer und will so lange warten, bis die Gefahr vorbei war. Das ist ein großer Fehler!

„Fridolin, warum riechst du so nach Rauch?“, ist die erste Frage seiner Mama. Er schämt sich. Und seine Fußsohlen schmerzen fürchterlich. Er hat sie sich verbrannt. So muss er sich eingestehen, dass die Sorgen seiner Mama berechtigt gewesen sind. Was folgt ist ein langer Meeresarrest. Und er muss seiner Mama versprechen, nie mehr auf die Insel zu gehen. Außerdem darf er seine Freunde nicht mehr treffen. Das kann Fridolin nicht verstehen. Er ist sauer auf seine Mama.

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©Dirk Dallas/Stock.xchng
Drei Tage später sieht man Fridolin wieder mit seinen Freunden auf der Insel

Die Motivation hinter einem solchen Doppelleben ist die Sehnsucht, angenommen zu sein, oder die Angst vor Ablehnung. In der christlichen Welt leben Schildkröten-Christen so angepasst, dass man sie aufgrund ihres Lebens und Redens nicht als ungläubig enttarnen kann. Aber trotz ihrer christlichen Maske wissen sie, dass sie noch keine Kinder Gottes und noch nicht errettet sind. In der Welt ihrer Freunde und Schulkollegen versuchen sie sich ebenso anzupassen, um nur nicht als gläubig gebrandmarkt zu werden. Wo sie auch sind, sie versuchen sich anzupassen. Das geht so lange gut, bis ihr Rückgrat herausgefordert wird. Entweder sie werden gedrängt, bei etwas mitzumachen, das ihren Grundsätzen widerspricht, oder sie werden direkt auf ihren Glauben angesprochen: An was glaubst du eigentlich? Glaubst du tatsächlich an die Schöpfung? Warum willst du mit Sex bis zur Ehe warten? Warum willst du überhaupt heiraten? Wohin gehst du am Freitagabend (Jugend- oder Teeniestunde) oder am Sonntagmorgen? Und dann ziehen sie, wie eine Schildkröte, den Kopf ein.

ImageSie trauen sich nicht, zu ihren Grundsätzen zu stehen, sondern schwächen sie ab oder weichen aus. Schildkröten-Christen sind keine Christen. Denn dazu braucht es Rückgrat.

Wenn die von den Eltern übernommenen Grundsätze zu deinen werden, weil du aus eigener Entscheidung von ganzem Herzen Jesus Christus dein Leben anvertraust, musst du nicht mehr den Kopf einziehen wenn deine Überzeugung auf die Probe gestellt wird.

Eines Tages trifft Fridolin eine alte weise Schildkröte. „Hallo Fridolin! Ich bin Ferdinand“, stellt sie sich vor. „Was hast du da an deinen Beinen?“ fragt er freundlich. „Ich habe mich verbrannt!“ stammelt Fridolin verlegen. „aber wie geht das? Im Wasser kann man sich doch nicht verbrennen!“ – „Das ist nicht im Meer passiert. Ich bin mit meinen Freunden auf der Insel gewesen. Am Anfang haben wir uns nur bis zum Strand gewagt.

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Aber dann sind wir immer mutiger geworden. Wir haben die ganze Insel erforschen wollen.“ – „Ja, und was hat deine Mama dazu gesagt?“ – „Mama ist nie glücklich über unsere Ausflüge auf der Insel gewesen. Sei hat Angst, dass mir etwas Schlimmes zustoßen kann. Aber ich habe sie beruhigt: ‚Ich habe doch einen dicken Schildkrötenpanzer! Unter dem kann ich meinen Kopf und meine Beine in Sicherheit bringen!’ Mit dem Seeadler und dem Fuchs hat das auch prima geklappt. Aber dann sind wir in ein Buschfeuer gekommen.“ – „Sag bloß, du hast da auch deinen Kopf und die Beine eingezogen?“ – „Ja…“ murmelt Fridolin kleinlaut. Ferdinand: „Das ist ja völlig verkehrt! Dein Panzer ist nicht für jede Gefahr gemacht! Fridolin, du hast auch ein Rückgrat. Du hättest deinen Kopf weit hinausstrecken müssen, um zu sehen, wie du auf schnellstem Weg mit deinen Beinen ins Wasser flüchten kannst!“ – „Hm…(grummel, grummel)“ – „Aber Fridolin, deine Brandwunden sind ja schrecklich entzündet! Im Meerwasser müssten die Wunden doch längst verheilt sein.“

Fridolin schweigt lange Zeit. Nach einem tiefen Seufzer gibt er zu: „Ich habe meiner Mama nicht gehorcht. Sie hat mir nach der Geschichte mit dem Buschfeuer verboten, jemals wieder auf die Insel zu gehen. Eines Nachts haben mich meine Freunde zu einer Inseltour abgeholt. Ich habe zuerst nicht gewollt. ‚Du Feigling!’ haben sie zu mir gesagt, ‚du musst ja deiner Mami gehorchen!’ Und dann bin ich mit meinen Freunde im Geheimen dort hingeschlichen. Der Sand vom schönen Strand hat meine Brandwunden verschmutzt.“

„Das war echt dumm von dir! Deine Mama hat es doch nur gut mir dir gemeint. Sie hat dich vor genau solch einem Fehler schützen wollen!“ – „So habe ich das noch nie gesehen.“ – „Komm mit, Fridolin! Ich weiß, wie ich dir helfen kann.“ Ferdinand zeigt Fridolin eine Stelle mit vielen Algen. Er nimmt einige Algen und presst sie auf seine Fußsohlen. „Diese Algen heilen die entzündeten Wunden!“ bemerkt Ferdinand. Sofort spürt Fridolin Linderung. Ach, hat das gut getan.

Von nun an ist Fridolin viel mit Ferdinand zusammen. Von ihm lernt er, wann er seinen Kopf und seine Beine unter seinem dicken Schildkrötenpanzer verstecken soll und wann es besser ist, Rückgrat zu beweisen und Kopf und Beine einzuziehen. Es gibt so viel Interessantes von Ferdinand zu lernen! Vor allem lernt er, dass es auch im Wasser knistern kann.

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Höhlentauchen, Wettschwimmen oder Unterwasserringen macht wirklich Spaß. Das Meer ist alles andere als langweilig. Fridolin muss zugeben, dass er sich hier getäuscht hat. Zudem versteht er mittlerweile, dass die Insel nicht grundsätzlich schlecht ist. Gegen einen Strandspaziergang ist ja nichts einzuwenden. Eines Tages schwimmt Ferdinand an der Insel vorbei, weiter zu einer großen Klippe, und springt von dort ins Meer. Zögernd wagt Fridolin seinen ersten Klippensprung. Ist das aufregend! Mit seinen Freunden hätte er das nie gewagt! Fridolin erkennt durch die vielen Gespräche mit Ferdinand, dass das Wasser sein Element ist.

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Weder seine Mama noch Ferdinand müssen Fridolin die Inseltouren mit seinen Freunden verbieten. Höhlentauchen und Klippenspringen und vor allem die Freundschaft mit Ferdinand haben diesen Platz eingenommen.

Aus: „Ergreife das Leben“

 

Buchtipp:

  • „Ergreife das Leben“, D. Niederseer, G. Neumayer – Lebensberichte von Jugendlichen, die christlich erzogen wurden und selbst noch zu Jesus finden mussten.